Der Regionalrat ist heute in Trient zur ersten Plenarsitzung des Jahres zusammengekommen. Zu Beginn der Sitzung erinnerte Präsident Roberto Paccher an den kürzlich verstorbenen ehemaligen Abgeordneten Franz Alber, der in der zehnten Legislaturperiode der Liste der SVP gewählt worden war.
Präsident Paccher teilte auch mit, dass die Abg. Cia und Bianchi die neue Fraktion Forza Italia gebildet haben. Der Abg. Widmann ist in die Fraktion La Civica Alto Adige/Südtirol - Agire per il Trentino eingetreten.
Beschlussantrag Nr. 23: Erinnerung an Clara Marchetto (1911-1982) (eingebracht auf Vorschlag der Mitglieder des Kollegiums der Fraktionsvorsitzenden, Präsident Paccher, Abg. de Bertolini, Brunet, Cia, Degasperi, Foppa, Gennaccaro, Gottardi, Kaswalder, Köllensperger, Maule, Scarafoni, Segnana, Stauder und Zimmerhofer). Der Antrag fordert vom Präsidenten des Regionalrats: eine Presseaussendung, die an Clara Marchetto erinnert und das ihr widerfahrene Unrecht öffentlich anerkennt (dass sie das Regionalratsmandat 1948 nicht antreten konnte); die Durchführung und Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie über Person und Wirken Clara Marchettos; die Anbringung einer öffentlichen, zugänglichen Gedenktafel im Amtsgebäude der Region.
Der Antrag, der von Walter Kaswalder (PATT-Fassa) erläutert wurde, geht auf eine Bürgerinitiative zurück und nimmt das Anliegen eines Beschlussantrags von 2012 wieder auf. Marchetto war Aktivistin des ASAR, einer Vorgängerorganisation des PATT. Sie war 1940 von einem Sondertribunal wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt und 1944 von den Alliierten befreit worden. Sie war 1948 in den Regionalrat gewählt worden, konnte ihr Mandat aber nicht antreten, weil das Urteil von 1940 noch rechtskräftig war. Kaswalder wies darauf hin, dass Marchetto den PATT als Partnerorganisation der SVP und das Trentino im Rahmen des historischen Tirols gesehen habe. PATT und DC hätten damals keine guten Beziehungen gehabt, daher hätten sich auch die DC-Granden nicht für Marchetto eingesetzt.
Paola Demagri (Campobase) hob vor allem den Aspekt der jungen Frau hervor, die sich politisch engagiert habe, und das unter den damaligen Bedingungen.
Brigitte Foppa (Grüne) sah die Geschichte von Marchetto als Teil der Geschichte von Frauen in der Politik. Sie sein ein Vorbild, das eine und nicht spalte.
Marchetto habe ihren Kampf gegen das Regime mit dem Kerker bezahlt, erklärte Maria Bosin (PATT-Fassa). Ihr politischer Einsatz nach dem Krieg sei durch ein nachwirkendes Urteil eines faschistischen Tribunals verhindert worden. Es sei richtig, dass die Region sie in Erinnerung halte. Sie frage sich aber, ob eine Erinnerungstafel reiche. Man sollte ihr wenigstens einen Saal widmen.
Bernhard Zimmerhofer (Süd-Tiroler Freiheit) äußerte seinen Respekt vor allen, die sich damals getraut hätten, sich für ihre Leute einzusetzen. Eine Gedenktafel sei vielleicht nicht die richtige Art, um ihrer zu gedenken.
Filippo Degasperi (Gemischte Fraktion) erinnerte an das große Risiko, das Marchetto eingegangen sei, als sie sich für ihr Engagement entschieden habe. Es sei der Regionalrat gewesen, der damals Marchetto das Mandat aberkannt habe, und der Regionalrat schulde ihr eine Wiedergutmachung.
Francesca Gerosa (Fratelli d'Italia) sah eine neutrale historische Aufarbeitung als Wert an sich. Eine Erinnerungstafel aber sei keine neutrale Aufarbeitung, sie sei ein Urteil, das keinen Widerspruch und keine Differenzierungen mehr zulasse. Es gehe hier um eine komplexe Geschichte, eine undifferenzierte Würdigung könne sie nicht unterstützen. Sie beantragte eine getrennte Abstimmung nach Punkten.
Wenn jemand wie Marchetto sich für sein Volk einsetze, dann sei das ein Verdienst, entgegnete Andrea de Bertolini (PD). Es seien schon öfter Persönlichkeiten gewürdigt worden, hinter denen nicht alle stünden. Aber es sei immer um Personen gegangen, die sich für Ideale eingesetzt hätten. Für eine Rehabilitierung Marchettos sei es höchste Zeit.
Magdalena Amhof (SVP) sah Marchetto als Autonomistin, antifaschistische Aktivistin und mutige Frau. Sie habe Autonomie als Schutzraum für Minderheiten und Identitäten gesehen. Eine Plakette reiche nicht, um ihr Erbe zu würdigen.
Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) sah in Marchetto ein gutes Vorbild, wegen ihres Kampfs gegen den Faschismus und wegen ihres Einsatzes für Tirol. Die Würdigung dürfe aber kein Feigenblatt sein, um ihre Anliegen weiterhin zu vergessen. Südtirol und das Trentino seien immer noch voller faschistischer Relikte.
Harald Stauder (SVP) sah den Antrag als wichtiges Zeichen. Der Lebenslauf Marchettos zeige auf, was in jener Zeit alles passiert sei. Man müsse nicht mit allem einverstanden sein, aber man müsse ihre Konsequenzen und ihren Einsatz würdigen. Sie sei zur Heimat gestanden und zu Werten, die heute von manchen wieder angezweifelt würden.
Maria Bosin erklärte sich bereit für eine Beratung unter den Einbringern, um zu einem Konsens zu finden. Filippo Degasperi stellte fest, dass Fratelli d'Italia noch nicht bereit sei, eine Antifaschistin zu würdigen. Antifaschismus und Autonomie sollten doch Ideale aller sein.
Vizepräsident Josef Noggler wies darauf hin, dass es unter den Fraktionsprechern Einhelligkeit über die Form der Würdigung gegeben habe.
Die Prämissen des Antrags wurden mit Ja, Nein und Enthaltungen angenommen, Punkt 1 mit 53 Ja und 2 Nein, Punkt 2 mit 54 Ja, Punkt 3 mit 53 Ja und 2 Nein.
Beschlussantrag Nr. 19: Förderung der Erziehung zur Demokratie und Stärkung der lokalen Bürgerbeteiligung (eingebracht von den Abg. Köllensperger, Rieder, Ploner Alex und Ploner Franz). Dazu wurde eine neue Fassung vorgelegt, die von Alex Ploner erläutert wurde: Der Regionalrat verpflichtet die Regionalregierung, 1. In Abstimmung mit den autonomen Provinzen ein ganzheitliches Konzept für die Wiederbelebung der lokalen Demokratie zu erarbeiten, das sich an den besten internationalen Praktiken orientiert und dann dem Regionalrat zur Prüfung vorgelegt wird. 2. In Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und einschlägigen Forschungseinrichtungen ein Programm zur Demokratiebildung zu entwickeln und umzusetzen, das darauf abzielt, mündige, kritische und engagierte Bürgerinnen und Bürger im Sinne der modernen pädagogischen Ansätze auszubilden, unter Berücksichtigung der Par Conditio. 3. Ein institutionelles Verfahren anzustoßen - etwa durch Einrichtung eines offenen, interdisziplinären und pluralistischen Runden Tisches, um dem Vertrauensverlust in die Politik entgegenzuwirken und die demokratische Teilhabe zu stärken.
Die Behandlung des Antrags hatte bereits in der Oktober-Sitzung von 2025 begonnen.
Francesca Gerosa (Fratelli d'Italia) verwies auf die zahlreichen Initiativen zur Stärkung der Demokratie in den Trentiner Schulen. Die Schulen seien derzeit aber überfüllt mit Projekten. Sie bat daher um eine Unterbrechung, um den Vorschlag zu vertiefen.
Die Arbeiten werden um 14.30 wieder aufgenommen.
Videoaufnahmen von der Sitzung am 11. 2. 2026:
https://we.tl/t-RNeDUfpM6E
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